Prof. Dr. Gabriele Thelen

Dekanin und Professorin an der Hochschule Konstanz

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07.05.2017

Erfolgreiche Kommunikation - beginnt bei uns selber

Erfolgreiche Kommunikation ist wesentlich, um uns in Kontakt und lebendig zu fühlen. Ohne sie können wir die Orientierung verlieren, unsere Ziele verlieren ihre Kraft, unsere Gedanken kreisen ohne landen zu können.
Aber was ist erfolgreiche Kommunikation mit uns selber?
Wie beginne ich das Gespräch mit mir?
schatten.gifZunächst muss ich mir klar sein, dass ein Dialog mit mir selber nicht unbedingt ein Karneval, bzw. eine Fastnachtsparty ist. Gerade wenn ich länger vermieden habe, in mich reinzuhorchen, wenn ich meistens streng mit mir bin und über unangenehme Gefühle hinweggebügelt habe, kann dieser Versuch zunächst schwierig sein.
Insbesondere dann, wenn du dein „strenger Chef bist“. Auf die unverfängliche Smalltalk-Frage „Wie geht es mir?“ kann erstmal keine Antwort kommen oder ein gereiztes „Was soll die Frage - und warum fragst du gerade JETZT?“
Mutiger und direkter, aber auch risikoreicher, ist die direkte Ansprache: „Wir müssen reden: Wie immer du dich fühlst, sag es mir!”
Wow …
Die Antwort auszuhalten, kann erstmal Mühe machen, daher hier einige Hinweise für den ersten inneren Dialog mit uns selber zum Thema: „Wie geht es mir eigentlich wirklich?“
1. Nimm dir Zeit (mindestens 15 Minuten) und Raum (möglichst wo niemand reinplatzt).
2. Frag dich ernsthaft und wirklich interessiert: Wie geht es mir eigentlich gerade?
3. Gerate nicht in Panik, wenn die Antwort „besch…” ist. Frag weiter: Welches Gefühl genau? Wo sitzt das Gefühl im Körper?
4. Halte das aus, was jetzt gerade kommt. Keine Angst: Noch niemand ist an seinen Gefühlen gestorben, aber vielleicht daran, zu was sie diesen jemand getrieben haben, weil sie ungehört blieben.
5. Sei einfach präsent und lass sie zu. Vorsicht: Nicht wegrationalisieren und nicht schwelgen, weder postiv noch im „Drama“ des vermeintlichen Schmerzes.
6. Höre zu und bleibe halbwegs gelassen und freundlich, so wie du dich bemühen müsstest, wenn dein Kind versucht mit dir zu reden, dein(e) Partner(in) oder dein(e) Chef(in) - du kannst es dir nicht erlauben, aus der Fassung zu geraten. Hör einfach zu und lass es auf dich wirken. Und dann mach weiter, was gerade so ansteht.

Vielleicht aber kannst du mit dir selber schon den nächsten Termin für ein Anschlussgespräch ausmachen? Und möglicherweise interessiert es dich beim nächstem Mal nachzufragen, warum es dir so geht? Mit der Zeit könnten daraus regelmäßige Treffen werden, die dir einen wertvollen Kontakt bringen - mit dir selber.

Affirmation für die Woche
Immer daran denken, wenn der erste Selbstversuch der Kommunikation mit dir eher ein trübes Schlammbad als ein Strandspaziergang ist:
wasser.gifLotus wächst im Schlamm!
… Und wie ist es dir ergangen? Mir geht es nach dem selbst verordneten Schlammbad wieder ganz gut …

Gabriele Thelen - 11:56 @ Kommunikation/communication | 1 Kommentar

  1. M. O.

    07.05.2017

    Vielen Dank für die Anleitung zum Schlammbad. Ich fühle mich schon fast wie eine Lotosblüte. :-)

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